close
Klettern in Griechenland: Leonidio
NimaOnTour

Klettern in Griechenland: Leonidio

Über Leonidio zu schreiben, ist eine Herausforderung. Nicht, weil es nichts zu erzählen gibt, sondern weil es so viel zu erzählen gibt. Wo soll ich am besten anfangen?

Am besten damit, wie alles begonnen hat …

Klettern in Leonidio

Die ersten Routen wurden im Jahr 1987 erschlossen, aber dann hat sich lange Zeit nichts mehr getan.
Erst 2008 hat eine Gruppe von Kletterern aus Athen wieder damit begonnen, weitere Routen zu erschließen. Inzwischen sind es über 900, die eine große Abwechslung garantieren. Auch Freunde von Mehrseillängen kommen in Leonidio auf ihre Kosten.

Und noch immer gibt es unzählige Möglichkeiten neue Routen zu bohren. Wer daran Interesse hat, kann sich am besten bei der Cooperative Panjika erkunden, die ich euch später noch vorstelle.

Der Sektor Dornröschen

Der Sektor Dornröschen

Die Routen in Leonidio

Das Klettern in Leonidio ist in der Tat abwechslungsreich. Ihr könnt euch hier an Leisten austoben, in Überhängen, an Platten oder Sintern.
Die Schwierigkeitsgrade reichen dabei von 4 bis 9 und die Routen sind allesamt sehr gut ausgestattet.

Als Topo empfehle ich euch das mit viel Herzblut gestaltete Buch  „Leonidio Climbing Guidebook“, das ihr vor Ort im Café Panjika kaufen könnt.
Einen kleinen Eindruck über die Routen und Sektoren bekommt ihr online auch hier: Climb in Leonidio.

Die Zustiege

Die Zustiege zu den einzelnen Sektoren sind sehr unterschiedlich. Mal läuft man 10 Minuten, mal auch dreißig.
Insgesamt solltet ihr euch darauf einstellen, dass die Wege noch nicht ausgelatscht und an manchen Stellen recht steil sind. In der Regel sind dort aber Seile als Hilfe angebracht.

Da ich nicht besonders trittsicher bin, hatte ich an der einen oder anderen Stelle schon mal meine Probleme.

Euch jeden der 50 Sektoren vorzustellen, würde den Rahmen sprengen, aber ein paar Eindrücke habe ich natürlich für euch:

Hinweis:
Viele Wände sind südlich ausgerichtet. Das macht Leonidio zu einem super Winterklettergebiet. Als wir hier Anfang Oktober angekommen sind, war es mit um die 25 Grad noch ziemlich warm!

Und da kommen wir schon zu einem weiteren Pluspunkt: Leonidio liegt nämlich direkt am Meer.

Der lange Kiesstrand lädt förmlich dazu ein, nach dem Klettern noch eine Runde schwimmen zu gehen. Auch im November sind wir bei 20 Grad Außentemperatur noch fröhlich ins Wasser gesprungen, während die Griechen schon voll auf Winter eingestellt waren.

strand-in-leonidio

Ein echtes griechisches Dorf

Neben der vielseitigen Kletterei beeindruckt mich Leonidio aber noch durch etwas ganz anderes. Der Ort entwickelt sich erst langsam zu einem neuen Kletterziel und ist noch richtig typisch griechisch.

Die Bewohner reagieren durchweg aufgeschlossen auf die neue Entwicklung und freuen sich über die Besucher aus aller Welt. Sie haben den Kletterern gegenüber keinerlei Vorbehalte und heißen sie wirklich herzlich willkommen.

Damit das auch so bleibt, meine große Bitte an euch:
Verhaltet euch rücksichtsvoll und freundlich.
Die Griechen freuen sich sehr, wenn man sie in ihrer Sprache begrüßt. Mit einem „kalimera“ (guten Morgen) oder „Jassass“ (Hallo) hast du direkt einen Fuß zu ihren Herzen in der Tür.

Wie aufgeschlossen die Leonidier sind, zeigt auch ihr Bürgermeister. Als ich ihm via Facebook (!) eine Anfrage schicke, ob er mir ein Interview geben würde, sagt er noch am gleiche Tag zu.
Hier verrät er euch, wie er selber zum Klettern steht, wie die Zustiege optimiert werden sollen und was euch als Kletterer in Leonidio erwartet.

Zum Interview

Das Kletterfestival

Anfang November hat das erste Kletterfestival in Leonidio stattgefunden. Drei Tage lang wurde tagsüber geklettert, abends gab es Vorträge, leckeres Essen und Musik.

Auch der berühmte japanische Kletterer Sachi Amma war hier und hat live sein Können gezeigt. Als er kurz darauf bei uns am Bus vorbeigefahren ist, musste ich natürlich direkt ein Foto mit ihm machen.

sachi

Die Cooperative Panjika

Die Cooperative wurde 2015 gegründet und besteht zurzeit aus acht Personen, die es sich zum Ziel gemacht haben, einen attraktiven Treffpunkt für Kletterer zu schaffen. Die genaue Entstehungsgeschichte und weitere Hintergründe findet ihr hier.

Über die Anlaufstelle für Kletterer hinaus soll das Café auch Verbindungen zu den Bewohnern Leonidios herstellen. Bei unseren Besuchen fand ich es immer schön zu sehen, wie bunt gemischt das Publikum zum Teil ist.

Geplant sind zukünftig auch verschiedene Veranstaltungen wie kleine Musik-Events, Kunst-Ausstellungen oder Kurse.
Zum einjährigen Geburtstag fand zum Beispiel ein Koch-Workshop statt. Dort wurde gezeigt, wie man die typische Spinat-Pita macht, die ihr übrigens unbedingt probieren solltet. Und abends wurde bei Live-Musik gemütlich weiter gefeiert!

Was euch das Panjika noch bietet, ist ein Mini-Markt mit einer Auswahl an Fairtrade-Produkten und einen kleinen Klettershop.

Neben dem Aufbau des Cafés stand im letzten Jahr aber noch ein weiteres Projekt im Vordergrund, nämlich das Topo.
12 Monate Vorarbeit und vier Monate intensivster Arbeit stecken in diesem Buch, an dem acht Leute mitgewirkt haben. Die erste Auflage umfasst 1500 Stück und der gesamte Profit fließt in die Finanzierung von neuen Bolts.

Essen, trinken, übernachten und mehr

In Leonidio findet ihr alles, was ihr braucht, vom Bäcker über den Metzger, Fischhändler, Haushaltswarenladen oder Friseur bis hin zu zwei Supermärkten. Dazwischen verstecken sich kleine Bars, Cafés und Tavernen.

Tankstellen, Banken und ein Health-Center gibt es auch, sodass ihr wirklich rundum versorgt seid.

Als Dauercamper kochen wir meistens selber, aber ein paar Mal waren wir auch auswärts essen.

Lecker essen im Panjika
Weil ich mich so schlecht entscheiden kann, nehme ich am liebsten die gemischte Platte, die täglich neu zusammengestellt wird. Aber auch bei den Kuchen besteht für mich hohe Suchtgefahr!

Bodenständige Hausmannskost in der Taverne Metropoli
Diese liegt um die Ecke von Panjika und bietet leckere Hausmannskost zu einem fairen Preis. Der große griechische Salat gehört für mich unbedingt dazu! salat

Jeden Montagvormittag ist Markttag.
Dort könnt ihr euch supergünstig mit regionalen Produkten eindecken (Obst, Gemüse, frischer Fisch, Honig).
Wie wäre es als Mitbringsel zum Beispiel mit Kastanienhonig?

markt

Selbst zur Autoreparatur kann ich euch in Leonidio einen Tipp geben. An unserem Oldtimerbus sind nämlich die Bremsen kaputtgegangen und die mussten wir natürlich sofort reparieren lasen.
Ein Grieche, der auf unser Problem aufmerksam geworden ist, hat uns persönlich zur Werkstatt von Andreas und seinem Sohn Vangelis gefahren.

Zwei Tage später war unser Bus wieder fahrbereit und wir haben wieder einmal die griechisches Gasftfreundschaft erleben dürfen.
Solltet ihr also mit einem eigenen Auto anreisen und Hilfe benötigen, sind das die Koordinaten der Werkstatt: 37°09’25.9″N 22°53’18.1″E

Übernachten in Leonidio

Zur Auswahl stehen hübsche Pensionen, Ferienwohnungen und – häuser und ein Campingplatz.
Wir waren natürlich auf dem Campingplatz, den ich euch absolut empfehlen kann. Die beiden jungen Betreiber führen ihren Platz sehr aufmerksam, hilfsbereit und freundlich.

In diesem Winter ist er durchgehend geöffnet und bis ca. Ende Februar zahlt ihr gerade mal 5€/Person für die Übernachtung.
Eine Maschine Wäsche zu waschen, kostet 3€.

Wer keinen Campingkocher dabei hat und nicht auswärts essen möchte, kann sich im überdachten Kochbereich sein Essen an einem der Elektroherde zubereiten.

Noch mehr klettern

Auf dem Peloponnes könnt ihr locker einige Wochen mit klettern verbringen. Wenn euch Leonidio nicht reicht – was ich mir kaum vorstellen kann – dann macht doch einen Abstecher nach Kyparissi?

Der kleine Ort ist knapp 60 km entfernt und liegt ebenfalls direkt am Meer. Schon bei der Fahrt dorthin bietet sich euch eine traumhafte Aussicht.
Christina von Klimbingkorns hat zum Klettern in Kyparissi einen absolut lesenswerten Beitrag geschrieben.

Ihr seht, über Leonidio gibt es einiges zu erzählen. Am besten schaut ihr euch das Gebiet selber einmal an!
Vielleicht steht es schon nächstes Jahr in unserer Liste der beliebtesten Winterklettergebiete?

Welche Erfahrungen hast du in Leonidio gemacht?


Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

INSTAGRAM FEED

Follow on Instagram