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Bouldern macht den Kopf frei
Klettern&Bouldern

Bouldern macht den Kopf frei

Gerade noch rechtzeitig von der Arbeit in die Boulderhalle geschafft. Jetzt noch zwei Stunden auspowern, bevor die Halle um 22.30 Uhr schließt.

Während es sich die einen um diese Uhrzeit auf der Couch gemütlich machen, knoblen andere lieber an Problemen herum – Boulder Problemen!

Den Kopf freibekommen

Was ist der Reiz am Bouldern?
Wieso lockt es so viele noch nach einem anstrengende Arbeitstag in die Halle, obwohl sie eigentlich schon k.o. sind?

Wie bei vielen anderen Sportarten auch, kann man beim Bouldern Stress abbauen. Und Stress haben die meisten im Alltag mehr als genug, oder?

Das für mich Besondere ist aber, dass ich beim Bouldern abschalten kann. Abschalten von den alltäglichen Gedanken, die durch meinen Kopf rasen.

  • Mist, ich muss noch die eine Mail beantworten.
  • Bis nächsten Mittwoch muss der Blogartikel fertig sein.
  • Oh, ich muss noch die Rechnung überweisen.

Egal, ob ich nur leicht bouldere, um einfach etwas Sport zu machen oder ob ich mir ein Projekt suche: Ich bin bei der Sache!

Beim Joggen dagegen laufe ich automatisch vor mich hin und habe Zeit zum Nachdenken. Nicht so beim Bouldern: Das erfordert meine volle Konzentration.

Außerdem bouldere ich immer mit anderen zusammen. Wenn man nicht an einem eigenen Bouldern herumprobiert, dann sucht man gemeinsam nach der Lösung für ein Problem. Dass ich mich vielleicht noch vor einer Stunde über etwas geärgert habe, gerät so schnell in Vergessenheit.

Draußen zu bouldern, ist für mich noch intensiver.
Das Wetter, der Fels, das Absprunggelände – alles Faktoren, die einen großen Unterschied zum Bouldern in der Halle ausmachen.
Wenn wir draußen unterwegs sind, dann sind meistens Freunde dabei oder wir lernen andere Boulderer kennen.
Das ist das Schöne an diesem Sport: die Atmosphäre ist meistens locker und aufgeschlossen.

Man möchte eine schöne Zeit haben, abschalten, gemeinsam etwas machen. Probleme dürfen hier mal außen vor bleiben. Es sei denn, man kann sie bouldern.

Die gegenseitige Unterstützung ist ebenfalls etwas, das ich sehr am Bouldern schätze. Es geht nicht darum, der oder die Beste zu sein – meistens jedenfalls nicht.
Es geht vielmehr darum, sich gegenseitig anzuspornen, gemeinsam zu tüfteln, sich über Erfolge zu freuen und auch darum, sich Mut zuzusprechen, wenn man Schiss bekommt.

Natürlich gibt es auch beim Bouldern Leute, die rein auf Leistung aus sind und sich profilieren wollen.
Größtenteils erlebe ich diesen Sport aber anders. Als eine wohltuende Abwechslung zu vielen Ellenbogen-Momenten des Alltags.

Neulich habe ich in Albarracín eine Route gebouldert, bei der ich am Ausstieg auf einmal Angst bekommen habe. Der Ausstieg war mir zu scary, aber abspringen wollte ich aus der Höhe auch nicht mehr.

Ganz blöd gelaufen, wenn man da nun auf 3,50 Metern steht und weder vor noch zurück weiß.
In dem Moment kam auf dem Fels ein Spanier langegalufen, der neben mir einen Boulder gemacht hat.
Ich habe ihn gebeten, mir die Hand zu geben. Und genau das hat er getan – ohne irgendeinen blöden Kommentar.

Als ich dann oben stand, haben die anderen geklatscht. Warum?
Weil sie wussten, wie viel Überwindung mich dieser Boulder gekostet hat. Und weil es ihnen egal war, dass ich oben Hilfe gebraucht habe. Es war ihnen viel wichtiger, mir ein gutes Gefühl zu geben und sich mit mir zu freuen, dass ich mich überhaupt getraut habe.
Es gibt Tage, an denen es gut klappt und Tage, an denen rein gar nichts läuft.
Vielleicht beschäftigt mich am Abend noch ein Problem, an dem ich mir die Zähne ausgebissen habe. Vielleicht freue ich mich auch über einen Erfolg.

Aber eines ist am Ende immer gleich: Ich habe den Kopf von meinem alltäglichen Kram frei bekommen.

Das ist für mich Bouldern!

Und für dich? Welchen positiven Effekt schätzt du beim Bouldern am meisten?


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